Eingestellt am 5. August 2021 · Eingestellt in Alle Publikationen, Inflationscheck

Nach Lesart des statistischen Bundesamtes sind die Konsumentenpreise in Deutschland im Juli 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,8 Prozent gestiegen. Aufgrund von temporären Effekten halten Fachleute der Deutschen Bundesbank eine vorübergehende Inflationsrate in Richtung 5 Prozent in Deutschland für möglich. Zudem bergen die unterschiedlichen Inflationsraten in den Mitgliedsländern der Eurozone erhebliches Konfliktpotential zwischen den Ländern und die gesamte Geldpolitik.

Inflation in der Eurozone

Für die gesamte Eurozone ist ein Anstieg der Verbraucherpreise von 2,2 Prozent gemeldet worden. Die Kerninflationsrate hat nachgegeben und beträgt 0,7 Prozent.

Als ein Indikator (aktuell gibt es viele) für weiter steigende Konsumentenpreise könnten die letzten Erzeugerpreise für die Eurozone (Juni 2021) herangeführt werden. Diese zeigen einen Anstieg von 10,25 Prozent zum Vorjahr.

Unterschiedliche Inflationsraten bergen Konfliktpotential

Vergleicht man die harmonisierten Verbraucherpreise für die Eurozone, Deutschland und Italien dann fallen deutliche Divergenzen ins Auge. Italien liegt bei 0,9 Prozent, Deutschland bei 3,1 Prozent und die Eurozone bei 2,2 Prozent.

Insbesondere das „Nord-Süd“ Gefälle (bspw. Deutschland vs. Italien) hat das Potential alter Debatten („Weintrinker vs. Biertrinker-Länder“) aus der Euro- und Staatschuldenkrise wieder aufleben zu lassen. Insbesondere die schwierige Vereinbarkeit einer einheitlichen Geldpolitik für unterschiedlich leistungsstarke Volkswirtschaften wird im Fokus der Diskussion stehen.

Im Angesicht der aktuell großen Beachtung des Themas Inflation in den Medien und der breiten Öffentlichkeit könnte der innenpolitische Druck in den leistungsstarken Ländern diesmal noch deutlich höher ausfallen als in der Vergangenheit. Schließlich sind, insbesondere in Deutschland, die Vermögenspositionen der privaten Haushalte in produktiven Sachwerten (Immobilien und Aktien) deutlich geringer als bspw. in Italien.

Die deutschen Haushalte sind in dieser Perspektive, rein vermögenspolitisch betrachtet, also doppelt getroffen: Sie haben hohe Geldwerte (keine Chance auf Inflationsausgleich) und müssen höhere Inflationsraten verkraften.

Diskussionen sind für Anleger irrelevant, finanzielle Repression offensichtlich

Allgemein lässt sich sagen, dass die Inflationsdebatte hitzig geführt und nahezu jede frisch veröffentlichte volkswirtschaftliche Kennzahl genau beobachtet und interpretiert wird. Ob damit die Prognosegüte steigt bleibt offen.

Während der zukünftige Inflationsverlauf mit sehr viele Unklarheiten behaftet ist, stellt sich die Lage für Anleger deutlich einfacher dar: finanzielle Repression bleibt das dominante Thema. Der Anstieg der Immobilienpreise und die massiven Zuflüsse in Investmentfonds sind deutliche Symptome des Anlagenotstands.    

Der aktuelle YPOS Inflationsscheck zeigt sehr deutlich, warum Aktien, Private Equity und Immobilien weiterhin eine hohe Nachfrage verspüren dürften.

Global diversifizierte Sachwerte als Lösung?

Für die aggregierte Gruppe der privaten Haushalte in Deutschland ist die Richtung eindeutig: Geldwerte runter, Sachwerte rauf. In der Einzelfallbetrachtung eines Anlegers ist es deutlich komplizierter. Jeder hat eine unterschiedliche Ausgangssituation (Familienstand, Einkommen, Vermögen, Steuern) und Lebensplanung. Selbst die Umsetzung einer „einfachen“ aktienorientierten Anlagestrategie mit Indexfonds ist heute mit Herausforderungen verbunden. Schließlich ist die Risikostreuung im globalen Aktienmarkt historisch niedrig.

Sowohl durch individuelle persönliche Rahmenbedingungen, als auch durch allgemeine Herausforderungen (wie reagiert man auf mangelnde Diversifikation?) ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Vermögensstruktur und die Anlagestrategie.

Gerne stehen wir Ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Über den Autor

Oliver Sacht ist Geschäftsführer der VK VermögensKontor GmbH